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Automobilkonzern bremst kleinen, Kölner Jeanshersteller aus!

Ist diese Hose ein Porsche?
Daniela posiert mit ihrer „911 nine one one“ Jeans vor einem gleichnamigen Porsche. Verwechselungsgefahr ist doch eigentlich ausgeschlossen. Obwohl, diese Kurven …
Cem Türkkusu mit dem Zertifikat seiner 911 Jeans. Auf der Gesäßtasche ist das Markenemblem ein echter Hingucker.
Von Jürgen Frommholz
Es ist der Kampf David gegen Goliath. In diesem Fall berühmter Autokonzern gegen kleinen Kölner Schneider. Es geht um eine Jeans und die Frage, ob man die mit einem Porsche verwechseln kann.
Als „911 nine one one“ hatte der Kölner Geschäftgründer Cem Türkkusu seine Jeans-Kollektion beim Patentamt angemeldet. Und bekam prompt Ärger mit der Porsche AG, die ihm ganz schnell wieder ausbremste.
Der Kölner, der seine neu eröffnete Boutique in der Weidengasse am Eigelstein hat: „Bei einem Amerika-Trip fielen mir die Highway Schilder auf, die auf den US weiten Notruf „911 nine one one“ hinweisen. Da kam mir sofort die Idee. So nenne ich meine neue eigene Jeans-Marke.“ Er investierte sofort sein ganzes Geld, ließ 500 Jeans-Hosen aus besonders hochwertigem Stoff in bester Verarbeitung fertigen.
Alles schien in Butter, bis er vier Wochen später Post von den Anwälten der Porsche AG bekam. Der Stuttgarter Sportwagen-Hersteller untersagte ihm den Verkauf, forderte eine Überlassungserklärung. Grund: Die „911“ steht für den begriff des Porsche, die Baureihe Typ 911. Und die ist seit Auto-Generationen international gesetzlich geschützt. „David gegen Goliath“ – war das schon das Aus für den frisch gebackenen Modekaufmann aus dem Friesenviertel? Cem Türkkusu: „Die Firma zeigte ein großes Herz für mich. Ausnahmsweise darf ich die 500 Jeans (91,90 Euro) verkaufen. Aber keine darüber hinaus. Das sind dann wohl weltweit die einzigen Porsche-Jeans. Die verkaufe ich als „Limited Edition“ mit Urkunde und entsprechender Nummer.“
Es ist die Geschicht „David gegen Goliath“ …

AUSGEBREMST! Junger Kölner Existenzgründer darf „911“-Jeans verkaufen. Aber: bei 500 Stück ist Schluß …
(Jürgen Frommholz)
„seXXes“-Store Besitzer Cem Türkkusu mit Zertifikat Nummer 1
Anzeige für „911 nine one one“ Jeans (mit einem Porsche im Hintergrund)
Köln. Cem Trükkusu, 36, Kölner türkischer Abstammung, hätte mit seinem Berufsleben zufrieden sein können. Fest angestellt als Unternehmensberater, mit britischer Nobellimousine als Dienstwagen. Doch er „wollte raus aus dem Trott, etwas ganz anderes machen.“ Der Rheinländer: „Mode hat mich schon immer interessiert und fasziniert.“
Trotz allgemeiner Wirtschaftsflaute eröffnete er einen Laden mitten im Kölner Szeneviertel „Eigelstein – Weidengasse“, im Nordschatten des Doms. In seiner Boutique, di er „seXXes“ nennt, bietet er flippige teils völlig „ausgetickte“ Aktuelle Mode an.
Bei einem Amerika-Trip fielen ihm plakative Highway-Schilder auf, die auf den USA-weit bekannten Notruf „911 (nine-one-one)“ hinwiesen. „Toll“, - so sein Gedanke, „so nenne ich eine neue, eigene Jeans-Collection.“
Kaum zurück in Köln, meldete er die „911 nine one one“ als neue Jeansmarke beim Patentamt an, Nummer 30237707. Türkkusu: „Ich investierte mein letztes Geld und ließ 500 Jeans-Hosen aus besonders hochwertigem Stoff in feinster Verarbeitung fertigen.“
Dann die Ernüchterung: vier Wochen später bekam er Post von der Dr5. Ing.h.c. F. Porsche AG, Stuttgart. Anwälte verwiesen auf „die Verletzung der berühmten Marke ‚911’, forderten eine Unterlassungserklärung“. In der Tat, die Baureihe Typ „911“ steht für den Inbegriff des „Porsche“ seit Auto-Generationen und ist entsprechen international geschützt!
Kaum im Geschäft, und schon das „Aus“ für den frischgebackenen Modekaufmann und seine gerade eröffnete Boutique…? „David gegen Goliath“, - und ein Happy End. Cem Türkkusu: „Die Firma Porsche zeigte ein großes Herz für mich als Existenzgründer. Ich darf ausnahmsweise die 500 bereits hergestellten ‚911 nine one one Jeans’ verkaufen, aber keine einzige darüber hinaus. Das sind dann wohl die einzigen ‚Porsche’- Jeans weltweit. Wer eine kauft (91,90 Euro), bekommt eine Urkunde mit der entsprechenden Nummer darüber. Das hat sich herumgesprochen. Schon kommen Sammler, die das Kleidungsstück gar nicht tragen, sonder mit dem Zertifikat aufbewahren wollen und bei dieser begrenzten Serie wohl berechtigt auf Wertsteigerung hoffen“. Übrigens, die „Nummer 1“ hat er selbst behalten. Er will sie in einer Vitrine im Geschäft ausstellen.
Diffizile Logik des Shoppings
Die extravagante Herrenmode des Cem Türkkusu

Von Johanna Tüntsch
INNENSTADT
Cem Türkkusu hat nicht wirklich bescheidene Ansprüche an sich und sein Geschäft: „Ich möchte als der geilste Herrenausstatter Kölns gelten.“ Am Eigelstein geboren und aufgewachsen, hat er auf Umwegen wieder in die Weidengasse zurück gefunden. Hier verkauft er extravagante Herrenmode – und zwar genau dort, wo seine Eltern früher eine gut gehende Metzgerei hatten.Inzwischen verraten das nur noch einige Fleischerhaken an der Decke. Wo einst mals sogar Alfred Biolek seinen Aufschnitt kaufte, kleiden sich jetzt Trendsetter und Szeneleute ein. Schon mit 16 Jahren fand Cem Türkkusu Mode faszinierend – und vor allem verbesserungsfähig. „Damals habe ich für meine Freundin Kleider genäht, sehr stylisch und hochgeschlitzt.“ Nach der mittleren Reife machte er aber erst eine handfeste Ausbildung zum Bauszeichner, danach dann sein Fachabitur im Bereich Kunst und Design. Seitdem war er Repräsentant für Accessoires von Gaultier und Jeans von Jean Charles de Castelbajac, arbeitete aber auch im Vertreib eines Augenoptikerhandels, war Tauchlehrer in der Türkei, lebte in Los Angeles, in Miami und fuhr mit einer Harley-Davidson-Gruppe durch Florida. Ende 2002 machte er sich schließlich selbständig und entwarf die Damenjeans-Kollektion „911“. „Der Laden meiner Eltern war damals gerade frei. Ich hab einfach mal drei Hosen ins Fenster gelegt und meine Telefonnummer dazu geschrieben.“ Die Nachfrage war groß, aber um sich am Markt weiter behaupten zu können, musste Türkkusu einen neuen Namen für sein Geschäft finden – der amerikanische Notruf 911 war bereits an Porsche vergeben. Cem handelte mit dem Autorkonzern aus, dass er 500 seiner Edeljeans trotzdem unter ihrem ursprünglichen Namen verkaufen darf – und nennt seitdem sein Geschäft „sexxes“. Es war gar nicht so leicht, ein Label zu finden, erzählt er. „Ob Lateinisch oder irgendwelche Götternamen, fast alles war schon vergeben.“ So kam er schließlich zu „Sexxes“; das sei kurz, prägnant und frech – gehöre aber durchaus nicht in die Schmuddelecke, wie Cem betont. Vielmehr bezieht er sich auf das englische Wort für „Geschlechter“, denn um die ging es ja anfangs in seiner Boutique: ob Männer oder Frauen, alle, die hip sein wollten, sollten hier ihre Garderobe finden. Doch die diffizile Logik, nach der weibliches Shopping funktioniert, fand Türkkusu ziemlich anstrengend: „Frauen sind viel komplizierter, überlegen lange, bevor sie etwas kaufen. Außerdem geben Männer mehr Geld aus.“ So sortierte er die Damengarderobe nach und nach aus und verkauft nun nur noch Kleidung für Herren. Die Bandbreiter ist groß, aber sexy muss es sein. Klassische Elemente sind durchaus drin, werden aber immer mit provokanten Details aufgepeppt. Das beige Jackett hat zum Beispiel eine samtige Oberfläche mit Reptilprint. Jeans sitzen tief auf der Hüfte und sind meist eng, manchmal auch wild gebatikt, zerrissen oder haben Reißverschlüsse, wo keiner sie vermutet. Shirts gibt es in schrillen wie gedeckten Farben, Muster können floral oder auch graffitihaft sein. „Zu mir kommen Leute, die auffallen wollen. Ich verkaufe Sachen, die sonst keiner hat“, verspricht Cem. Seine Ware bezieht er aus Mailand, Paris, Los Angeles und Amsterdam. „Das meiste kommt aus kleinen Hinterhoffirmen, die der Mode immer ein Stück voraus sind.“ Seit neuestem führt er auch eine eigene Schuhkollektion, die er nach seinen eigenen Entwürfen in Italien fertigen lassen hat. „Was soll ich in der Ehrenstraße?“ fragt er und lacht: „Die Ehrenstraße kommt zu mir!“Über Umwege kam Cem Türkkusu zu Mode – und zur ehemaligen Metzgerei seiner Eltern in der Weidengasse. (Foto: Tüntsch)
Adresse
se-xx-es
Herr Cem Türkkusu
Friesenwall 5-7
50672 Köln
Telefon 0221 1305104
Telefax 0221 1794347
E-Mail-Adresse cem@se-xx-es.de